Soviel Eigensinn darf sein

Tage im Süden: Kleine Reise nach Portugal

Die Freundin, der wir die Unterkunft für unseren Kurztrip nach Portugal verdanken, nennt meist nur die Richtung, wenn Sie vom Herkunftsgebiet der Familie spricht. Genieße den Süden! Ich selbst hätte immer eher die westliche Richtung betont, den Atlantik, den äußersten Rand Europas mit der langgezogenen Westküste.

5 Tage im August in Portugal zeigen aber die südliche Sonne. Die steht senkrecht und gleißend zur Mittagszeit am Himmel, kaum ein Wölkchen war zu sehen in diesen Tagen und die berühmten Atlantikwinde stellten irgendwann auch den Dienst ein. Es ist wohl nicht immer so heiß hier im Sommer, wir haben eine kleine Hitzeperiode erwischt und schlussendlich näherte sich die Temperatur den 40 Grad. Viele Einwohner zieht es zum Strand, wo kaum mehr ein Quadratzentimeter frei ist, alle tragen Sonnenschirme mit sich, Portugiesinnen nutzen häufig kleine Fächer, um ein wenig Abkühlung zu simulieren.

Palmela Portugal5 Tage im August, südlich von Lissabon, zogen uns in ihren Bann, können aber als Reise gar nicht die pure Erholung sein. Es ist Hochsommer und Hauptsaison, auf den Mietwagen, der uns auf unseren Touren mit seiner Klimaanlage tröstete, mussten wir am Flughafen eine kleine Ewigkeit in einer erschreckend langen Schlange warten. Dann jedoch überquerten wir den Tejo auf der beeindruckenden Brücke Vasco da Gama und erreichten Sétubal, wurden herzlich empfangen und richteten uns ein. Ein kurzer Zwischenstopp zuvor im idyllischen Palmela, erste Bekanntschaft mit den Bifanas – die portugiesische Variante des Schnitzelbrötchens – die uns von da an begleiteten. Am Morgen ein Tässchen Kaffee und etwas Süßes, irgendwann im Laufe des Tages Bifanas und kaltes Sagres, das war die passende Grundversorgung, die für Portugal typisch scheint.

Fischrestaurants gibt es in großer Zahl, natürlich suchten wir einige auf. Gleich am ersten Abend bescherten wir uns eine kleine Herausforderung: Die erwählten chocos, die ganz harmlos in der Vitrine liegen und aussehen, wie wir Tintenfische kennen, wurden typisch à la Setúbalense zubereitet und das heißt: in viel schwarzer Tinte, die teilweise auf dem Grill zu einem schwarzen Brei gerinnt. Der Anblick ging mir überraschend stark gegen die Wahrnehmungsgewohnheiten, auch wenn geschmacklich nichts auszusetzen war, kostete mich das Essen von dem mehr und mehr geteerten Teller Mühe. Im Reiseführer lasen wir später, chocos würden nur auf Nachfrage in ihrer eigenen Tinte gegart, das stimmt nicht immer… Als zweites Gericht wählte der Liebste ovas, sie schienen ihm interessant auszusehen, es handelt sich um Fischlaich, auch ein eher unbekanntes Gericht für uns, geschmacklich weitgehend neutral, vermutlich Eiweiß pur. Die erste Flasche vinho verde wurde geleert, die Wirtsleute entpuppten sich, wie nicht wenige in der Region, als deutschsprachig, da sie zurückgekehrte Gastarbeiter sind.

Flip-Flop mit FlaggeTage im Süden: Alles geht langsam, dennoch haben wir viel gesehen. Unsere Ausflüge im nächsten Beitrag! Man sollte viel Wasser trinken, mehr als wir es getan haben, ich merkte es erst, als ich glühte wie ein großes Stück Brikett. Mitgebrachtes Schuhwerk habe ich schnell eingetauscht gegen die obligatorischen Flip-Flops (ohne die geht in Portugal gar nichts), ich konnte welche mit kleiner Portugalflagge erobern, wie süß. Versuche, die Sprache der Einwohner(innen) ein wenig zu benutzen, fielen schwer, all zumeist scheiterte ich an der Aussprache, die so anders ist als im Spanischen und von sch- und auo- Lauten an überraschenden Stellen nur so wimmelt, an Stellen, die man in den geschriebenen Buchstabenfolgen noch nicht mal erahnt. Sagres zu bestellen und sich zu bedanken, das ging natürlich. Zurück in Deutschland schmeckte das Bier hier nicht mehr, da es nicht in einer possierlichen Flasche steckt und nicht wie Sagres schmeckt, vielleicht auch, weil es nicht auf einem belebten Platz in Sétubal genossen werden kann, schon gar nicht untermalt von engagiert Fado-singenden Spontanmusikern am Nebentisch. Die Tage im Süden sind eben anders, und ich möchte sie nicht missen.

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Bärbel Frau auf Reisen – dem Blog einer Frau mit Fernweh für alle Frauen mit Fernweh. Die Idee zu diesen Seiten entstand, da ich seit einigen Jahren immer wieder alleine gereist bin. Eine neue Erfahrung beim ersten Mal, wiederkehrend in der Regel immer besser. Eine Frau auf Reisen erfährt sich kraftvoll und offen in der Welt! Gerne möchte ich davon an dieser Stelle einiges mitteilen. Was ist zu beachten, wenn eine Frau alleine reist? Welche Ängste bestehen (nur) im Kopf? Welche Erfahrungen macht eine Frau auf Reisen? Kleine Gebrauchsanweisung, da es sich nicht immer sofort erschließt: Beiträge zu Themen/Ländern, die im rechten Menü gefunden werden, öffnen sich zunächst nur teilweise. Dann heißt es, die Titelzeile anzuklicken, und der gesamte Beitrag wird sichtbar. Und übrigens, ich freue mich über Kommentare!!!! Ich sehe hier erfreulicherweise (mehr als nur) einige kommen und gehen, lesen hoffentlich... Ein Feedback, was andere Frauen suchen, wissen und vielleicht auch hier finden ... ist mir wirklich willkommen, manchmal ersehnt.