Soviel Eigensinn darf sein

Von Tallinn aus Estland erkunden: Erfahrungswerte

 

Eins vorneweg: Vorausgesetzt frau mag es, alleine die Welt zu durchstreifen, so wird es ihr in Estland leicht fallen und gut gefallen. Estland ist für die meisten Deutschen noch ein fast „exotisches“  Land, das die Neugier weckt. Es hat sich seit der Altstadtgassen TallinnUnabhängigkeit 1991 zu einem erstaunlich modernen Land entwickelt, das an skandinavische Verhältnisse Anschluss findet. Die Infrastruktur ist gut, die Menschen sind meist freundlich – und die Landschaft ist abwechslungsreich und wunderschön.

In Tallinn herrscht gerade im Sommer und gerade rund um den Rathausplatz und die zentrale Straße der Altstadt „viru“ reges Treiben, hier ist man ausgesprochen auf Touristen eingestellt, etwa wie in Heidelberg. Wer etwas mehr Zeit mitbringt als die Reisenden, die im Schnelldurchlauf die baltischen Hauptstädte absolvieren, sollte seine Zeit in Tallinn nicht auf die Altstadt beschränken, auch wenn man sich hier gerne am Abend noch in einer der vielen Kneipen niederlässt.

trolleybus in tallinnFortbewegung in Tallinn: Ich habe mir angewöhnt, möglichst schnell zu erfahren, wie der öffentliche Nahverkehr in fremden Städten funktioniert. Sodann fühle ich mich frei und unabhängig, meinen Interessen zu folgen. In Tallinn ist der öffentliche Nahverkehr ausgesprochen gut ausgebaut und sehr günstig. Ein Einzelfahrschein für Bus, Trambahn oder Trolley kostet 1 €, im Zehnerpack kostet die einzelne Fahrt mit Umsteigen noch 80 Cent. Ein 24-Stunden-Ticket ist für 5 € zu haben. Und auch dies scheint bald Schnee von gestern: Aufgrund einer Volksabstimmung soll ab 2013 der gesamte Nahverkehr kostenfrei werden. Ich bin gespannt auf dieses doch sehr außergewöhnliche und extrem sympathische Experiment. Schon heute scheint es keine Kontrolleure mehr zu geben, mir ist jedenfalls in einer Woche, in der ich recht häufig mit Bus und Tram unterwegs war, kein einziger begegnet.

Park Kadriorg Tallinn EstlandMehr als die Altstadt: Mit der Tram kommt man auch in die schöne Vorstadt Kadriorg mit prächtigen Holzhäusern und riesigem Park und ein kleines Stückchen weiter an den Strand von Pirita. Der ist nicht überfüllt und man hat einen entspannten Blick auf Meer, Himmel, Sonne und die Kulisse von Tallinn. Mit dem Trolleybus geht´s nach Rocca al Mare, wo Strand und Freilichtmuseum warten. Vom Busbahnhof aus fahren für wenige Euro Überlandbusse nach Rakvere und Narva im Osten, nach Haapsalu und Pärnu im (Süd-)westen sowie nach Tartu im Südosten, mehrmals am Tag und mit diversen Zwischenstopps. So kann man sich komfortabel und günstig durch die Landschaft kutschieren lassen und fährt meist inmitten der einheimischen Bevölkerung.

frisches knoblauchbrotEssen: Davon versteh´n die Esten was! In aller Regel wirken Nahrungsmittel in Estland äußerst appetitlich. Ein Hauptwirtschaftszweig in Estland ist die nahrungsmittelverarbeitende Industrie, was mich gar nicht wundert. Selbst das Knoblauchbrot, das als Snack zum Bier bestellt werden kann und das wir aus Lettland schon kannten und liebten, wirkt hier ganz besonders frisch und üppig. Zum Frühstück oder zwischendurch kann man sich allerorten – in meinem Fall tatsächlich an der Tankstelle um die Ecke – mit handlichen Sandwiches aus Schwarzbrot, interessant belegt mit Salaten, Fleisch und auch schon mal einem pochierten Ei (kaum über 1 €) sowie süßen Leckereien eindecken (Eclairs, Windbeutel, Quarkbällchen: jeweils höchstens 1 €). Die Gastronomie in Tallinn ist international. Direkt um den Rathausplatz herum befindet sich natürlich die eine oder andere Touristenfalle, wo das Bier überraschende 5,90 €uro kostet. Sonst sind die Preise in der Tallinner Altstadt ähnlich wie in Deutschland.  Die sehr touristisch ambitionierten Restaurants Olde Hanse und Pfeffersack sind keine Fallen. Zwar springen hier euphorische junge Menschen in Trachten rum, aber die Küche ist ausgesprochen gut. Und auch von kleinen Gerichten wie einem Salat mit geräucherten Fleischvariationen oder einem Fisch-Vorspeisenteller wird man richtig satt. An die Hauptspeisen habe ich mich gar nicht erst herangewagt, es sind sichtbar recht mächtige Portionen.

Tallinn Bier und SuppeBesonders günstig: Unter den Arkaden des Rathauses kann man helles und dunkles Bier zu 2 € sowie eine schmackhafte Elchsuppe zu 1/2 € (große, kleine Portion) bekommen. Das ist ein bisschen Fremdenverkehrswerbung („wie im Mittelalter“), aber zur Stärkung zwischendurch ausgesprochen angenehm…

 

 

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Willkommen bei Frau auf Reisen

Bärbel Frau auf Reisen – dem Blog einer Frau mit Fernweh für alle Frauen mit Fernweh. Die Idee zu diesen Seiten entstand, da ich seit einigen Jahren immer wieder alleine gereist bin. Eine neue Erfahrung beim ersten Mal, wiederkehrend in der Regel immer besser. Eine Frau auf Reisen erfährt sich kraftvoll und offen in der Welt! Gerne möchte ich davon an dieser Stelle einiges mitteilen. Was ist zu beachten, wenn eine Frau alleine reist? Welche Ängste bestehen (nur) im Kopf? Welche Erfahrungen macht eine Frau auf Reisen? Kleine Gebrauchsanweisung, da es sich nicht immer sofort erschließt: Beiträge zu Themen/Ländern, die im rechten Menü gefunden werden, öffnen sich zunächst nur teilweise. Dann heißt es, die Titelzeile anzuklicken, und der gesamte Beitrag wird sichtbar. Und übrigens, ich freue mich über Kommentare!!!! Ich sehe hier erfreulicherweise (mehr als nur) einige kommen und gehen, lesen hoffentlich... Ein Feedback, was andere Frauen suchen, wissen und vielleicht auch hier finden ... ist mir wirklich willkommen, manchmal ersehnt.