Soviel Eigensinn darf sein

Frankfurter Bahnhofsviertel – Schillernde Spots nebst Rotlicht

An manchen grauen Tagen kann ein Gang durchs Frankfurter Bahnhofsviertel tröstlich sein, Abhilfe gegen (klein-) bürgerliche Neurosen und spätbürgerliche Depressionen verschaffen. Am Tage zumindest lässt es sich hier auch als Frau alleine bedenklos schauen und staunen – vermutlich ist das Bahnhofsviertel dann einer der sichersten Orte weltweit – und so das pulsierendste Nebeneinander erleben. Nichts scheint unvereinbar: Immer noch prächtige Gründerzeitvillen vor Bankenturmsilhouette, Rotlicht neben ausdifferenziertem Einzelhandel (Perücken, handgefertigte Schuhe, Schreibwaren im alten Stil, Waffen natürlich, erstaunlichste Lebensmittel und Schnickschnack aus Orient und Okzident), das authentischste chinesische Essen der Stadt, die günstigsten Tandoori-Imbisse, verr(a)uchte Kneipen, aber auch großes Dinner für Geschäftsleute aller Arten.
Hier kreuzen sich die Wege indischer Nonnen und markiger Wettbrüder, verhuschter Freier und bärtiger Handeltreibender, eifrig kontrollierender Hilfspolizisten und fahrradfahrender Banker. Die Prostitution ist offiziell in die dafür zuständigen Häuser verbannt und wenn dort Führungen für Frauen angeboten werden, sind diese weit im Voraus ausgebucht. Die Bahnhofsviertelnacht im Sommer ist längst Kult.
Der nostalgischste Buchladen, den ich kenne, existiert vielleicht nicht mehr lang: Die internationale Buchhandlung in der Kaiserstr. 55 hat ein überragendes Sortiment an fremdsprachiger Literatur und eine große, anspruchsvolle Auswahl auf deutsch geschriebener oder ins Deutsche übersetzter Werke. Jedes einzelne Bändchen ist liebevoll wie ein Schatz von Hand in Klarsichtfolie verpackt, darf zum Anschauen ausgespackt werden, wird anschließend genauso liebevoll wieder verhüllt. Nur zu Zeiten der ganz großen Messen habe man hier jedoch das Laufpublikum, das nötig sei, den Laden am Leben zu erhalten, wird mir traurig berichtet.
Das Bahnhofsviertel der Künstler_innen und Schriftsteller_innen hat jedenfalls mittlerweile seine eindrucksvole Hommage erhalten.

Natürlich eignet sich das Bahnhofsviertel zum Foto-Shooting. Mein Versuch, ins Innere eines Herrenfriseursalons zu linsen, hat mir, in seinem tendenziellen Scheitern, eine changierende Spiegelwelt eröffnet. Eine Welt, die glitzert und staubt, halb einlädt, halb abweist, ums Überleben kämpft und Glück an der nächsten Ecke sucht. Das Bahnhofsviertel eben.

 

 

Zur Zeit keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Willkommen bei Frau auf Reisen

Bärbel Frau auf Reisen – dem Blog einer Frau mit Fernweh für alle Frauen mit Fernweh. Die Idee zu diesen Seiten entstand, da ich seit einigen Jahren immer wieder alleine gereist bin. Eine neue Erfahrung beim ersten Mal, wiederkehrend in der Regel immer besser. Eine Frau auf Reisen erfährt sich kraftvoll und offen in der Welt! Gerne möchte ich davon an dieser Stelle einiges mitteilen. Was ist zu beachten, wenn eine Frau alleine reist? Welche Ängste bestehen (nur) im Kopf? Welche Erfahrungen macht eine Frau auf Reisen? Kleine Gebrauchsanweisung, da es sich nicht immer sofort erschließt: Beiträge zu Themen/Ländern, die im rechten Menü gefunden werden, öffnen sich zunächst nur teilweise. Dann heißt es, die Titelzeile anzuklicken, und der gesamte Beitrag wird sichtbar. Und übrigens, ich freue mich über Kommentare!!!! Ich sehe hier erfreulicherweise (mehr als nur) einige kommen und gehen, lesen hoffentlich... Ein Feedback, was andere Frauen suchen, wissen und vielleicht auch hier finden ... ist mir wirklich willkommen, manchmal ersehnt.